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VMI-Vienna Music Institute
„House of Europe“ verbindet sechs europäische Musikhochschulen in einem Songwriting-Programm, das digitale Zusammenarbeit, interkulturellen Austausch sowie inklusive künstlerische Begegnungen fördert.
© Peter Kogoj
Vor dem Hintergrund der Ziele zur Internationalisierung, gesellschaftlichen Verantwortung, Diversität sowie der Förderung interkultureller und künstlerischer Kompetenzen verfolgt das BIP „House of Europe – International Songwriting Project“ das Ziel, nachhaltige Formate transnationaler Zusammenarbeit in der künstlerischen Hochschulbildung zu entwickeln und die Internationalisierung des Curriculums voranzutreiben. Ein wesentliches Ziel ist die Etablierung eines Mobilitätsfensters, das Musikstudierenden flexible Kurzzeitmobilitäten ermöglicht. Aufgrund von Konzerttätigkeiten und projektbezogenen Verpflichtungen sind längere Auslandsaufenthalte für viele Musikstudierende schwer realisierbar. Das BIP verbindet daher internationale Lernerfahrungen mit den Anforderungen künstlerischer Studienverläufe. Das Programm schafft Räume für künstlerischen Dialog und Perspektivenvielfalt, indem es Musikstudierende aus Europa mit Gastmusiker*innen – vielfach mit Flucht- oder Migrationserfahrung – in einen gemeinsamen kreativen Prozess bringt. Durch gemeinsames Songwriting und Workshops entstehen Werke, die unterschiedliche musikalische Traditionen und biografische Erfahrungen verbinden und öffentlich präsentiert werden. Die Zusammenarbeit fördert dabei künstlerische, interkulturelle und kooperative Kompetenzen. Die primäre Zielgruppe bilden Studierende der beteiligten Partnerhochschulen sowie die mitwirkenden Gastmusiker*innen. Lehrende und Verantwortliche der Hochschulentwicklung sind in die Planung und Umsetzung der Projekte eingebunden und profitieren vom internationalen Austausch sowie von der Entwicklung innovativer Lehr- und Lernformate. Die digitale Lehrkomponente steht allen Studierenden der sechs Partnerhochschulen offen und ermöglicht internationale Zusammenarbeit unabhängig von physischer Mobilität. Durch curriculare Einbindung und den Erwerb von ECTS wird die Internationalisierung des Curriculums über klassische Mobilitätsformate hinaus nachhaltig erweitert.
Ausgehend von den genannten Zielsetzungen entwickelte das Vienna Music Institute (VMI) das Programm in enger Zusammenarbeit mit fünf internationalen Musikhochschulen: Metropolia University of Applied Sciences Helsinki, HKU Utrechts Conservatorium, Conservatorio di Musica "Luisa D’Annunzio" Pescara, Centro Superior Música Creativa Madrid und Viljandi Culture Academy. Der Entwicklungsprozess wurde durch das daraus entstandene House of Europe-Konsortium getragen, das die gemeinsame Konzeption, Umsetzung und kontinuierliche Weiterentwicklung des BIP verantwortet. Die Umsetzung wird durch die Internationalisierungsstrategien der beteiligten Hochschulen, bestehende Erasmus+-Strukturen und die etablierte Netzwerkstruktur des Konsortiums unterstützt. Eine Herausforderung bestand darin, eine stabile Programmstruktur mit gleichzeitiger inhaltlicher Flexibilität zu entwickeln. Die Struktur aus Online-Kurs, Intensive Week und Postproduction-Phase blieb konstant, während die thematische Ausrichtung an die jeweiligen Gastgeberinstitutionen, Lehrenden und Gastmusiker*innen angepasst werden konnte. Besonders die Gestaltung des Online-Kurses erforderte innovative didaktische Konzepte, um trotz räumlicher Distanz interaktive Zusammenarbeit und gemeinsame kreative Prozesse zu ermöglichen. Durch modulare Inhalte, digitale Kollaborationstools und regelmäßige Abstimmungen im Konsortium konnte ein übertragbares und zugleich flexibles Format entwickelt werden. Das BIP wurde ursprünglich als zeitlich begrenztes Projekt über sechs Semester mit rotierender Gastgeberinstitution konzipiert. Aufgrund der positiven Evaluation wurde das Programm fortgeführt und kontinuierlich weiterentwickelt. Seit der ersten Durchführung im Jahr 2021 wurden mittlerweile zehn BIPs erfolgreich realisiert; weitere Durchführungen für 2026/27 sind bereits in Vorbereitung. Das VMI übernahm bereits zweimal die koordinierende Rolle als Host-Institution und verantwortete in dieser Funktion die Gesamtkoordination.
Aktivitäten des BIPs am Beispiel des zuletzt vom VMI koordinierten Programms: 1. Online-Kurs „Artist Identity & Cross-Cultural Storytelling“ (1 ECTS) Der Kurs steht allen Studierenden der sechs Partnerhochschulen offen und schafft einen niederschwelligen Zugang zur internationalen Zusammenarbeit. Er vermittelt Grundlagen interkultureller Kompetenz, digitaler Kollaboration und kreativer Teamarbeit sowie Kenntnisse in Songwriting, Musikproduktion und digitalen Tools. Gleichzeitig bereitet er die Teilnehmenden auf die Zusammenarbeit in internationalen Teams vor und stärkt die Reflexion der eigenen künstlerischen Identität. 2. Intensive Week (2 ECTS) Der erste Tag der Intensivwoche dient dem Kennenlernen, Teambuilding und der Einführung in konstruktive Feedbackmethoden. Eine „Soundtour“ durch Wien verbindet Stadtklänge und Tontechnik, während ein Jodel-Workshop und der Besuch bei einem Klavierbauer erste künstlerische und interkulturelle Bezüge zu lokalen Musiktraditionen schaffen. In den weiteren Tagen arbeiten Studierende und Gastmusiker*innen in internationalen Teams in Workshops, Proben und Live-Sessions zusammen. Durch gemeinsames Songwriting entstehen neue Werke, die künstlerische, interkulturelle und soziale Kompetenzen fördern. Ein öffentliches Abschlusskonzert macht die Ergebnisse sichtbar, stärkt den interkulturellen Dialog und erweitert durch mediale Multiplikatoren wie Livestream und die Ausstrahlung durch einen lokalen Fernsehsender die Reichweite des Projekts. 3. Online Postproduction (2 ECTS) Im Anschluss an die Präsenzphase werden die gemeinsam entwickelten Werke in einer begleiteten Online-Postproduction weiterbearbeitet. Mithilfe digitaler Musikproduktions- und Kommunikationstools bereiten die Studierenden ihre Songs für die Veröffentlichung vor. Die Phase wird durch Expert*innen aus der Musikproduktion begleitet und stärkt sowohl digitale Kompetenzen als auch nachhaltige internationale Zusammenarbeit über die Mobilitätsphase hinaus.
In den bislang umgesetzten House of Europe-BIPs wurden 200 studentische Teilnahmen an den Präsenzphasen, 40 Teilnahmen von Gastmusiker*innen sowie 60 Lehrenden-Teilnahmen erreicht, wobei die Lehrenden während der Intensive Week als Coaches aktiv eingebunden waren. Die geöffnete digitale Lehrkomponente erreichte seit ihrer Implementierung bei zehn Projektdurchführungen zusätzlich rund 500 Studierende aus allen sechs Partnerhochschulen und erweiterte die internationale Reichweite des Programms über klassische Mobilitätsformate hinaus. Zur Evaluierung werden kontinuierlich Feedbacks von Studierenden, Lehrenden und Gastmusiker*innen eingeholt und ausgewertet. Die Rückmeldungen zeigen, dass insbesondere der interkulturelle Austausch, die gemeinsame künstlerische Arbeit und die Begegnung mit unterschiedlichen Perspektiven als zentrale Mehrwerte wahrgenommen werden. Die Zusammenarbeit basiert auf einem gleichberechtigten Austausch und fördert Wissenstransfer, kulturellen Dialog und gemeinsame künstlerische Entwicklung. Eine Herausforderung früherer Projektumsetzungen war, virtuelle Zusammenarbeit trotz räumlicher Distanz interaktiv und partizipativ zu gestalten. Durch kollaborative digitale Methoden, flexible Lehrformate und den Fokus auf Peer-Learning konnten diese Herausforderungen erfolgreich bewältigt werden. Das BIP „House of Europe“ wirkt langfristig als Katalysator für internationale Zusammenarbeit und Erasmus+ Mobilitäten. Es schafft niederschwellige Zugänge zu internationalen Lernerfahrungen, stärkt künstlerische, interkulturelle und kollaborative Kompetenzen und trägt zur nachhaltigen Verankerung internationaler Zusammenarbeit in den beteiligten Hochschulen bei. Durch den Aufbau eines stabilen Netzwerks zwischen sechs europäischen Partnerinstitutionen sowie die curriculare Integration des Formats wurde ein übertragbares Modell für inklusive, kreative und zukunftsorientierte Mobilitätsformate in der künstlerischen Hochschulbildung geschaffen.
Die Umsetzung des BIP zeigt, dass erfolgreiche internationale Formate auf transparenter Kommunikation, klarer Aufgabenverteilung und einem gemeinsamen Verantwortungsverständnis aller Partner basieren. Die kontinuierliche Einbindung von Lehrenden und Erasmus+-Koordinator*innen in Planung und Durchführung hat sich bewährt. Eine wichtige Erkenntnis betrifft die Gestaltung der Intensivwoche: Ausreichend Zeit für Kennenlernen, Teambuilding und den Aufbau einer vertrauensvollen Arbeitsatmosphäre ist entscheidend. Welcome Activities, Icebreaker und Workshops zur Feedbackkultur fördern die Entwicklung inklusiver und produktiver internationaler Teams. Ein Mehrwert des Projekts liegt in der Verbindung von künstlerischer Zusammenarbeit und gesellschaftlicher Teilhabe. Studierende erweitern ihre künstlerischen, interkulturellen und kollaborativen Kompetenzen durch die Zusammenarbeit mit Gastmusiker*innen aus unterschiedlichen musikalischen Traditionen und biografischen Kontexten. Gleichzeitig erhalten Gastmusiker*innen Zugang zu internationalen Hochschul- und Musiknetzwerken und bringen ihre Expertise gleichberechtigt in den kreativen Prozess ein. Dadurch entstehen Räume für Wissenstransfer, kulturellen Austausch und gemeinsame künstlerische Entwicklung. Als Best Practice hat sich die Öffnung der digitalen Lehrkomponente für alle Studierenden der sechs Partnerhochschulen erwiesen. Der Online-Kurs ermöglicht internationale Zusammenarbeit unabhängig von physischer Mobilität und stärkt durch Peer-Learning-Elemente sowie curriculare Einbindung die nachhaltige Internationalisierung des Curriculums. Eine begleitende VIS-Forschungsstudie (Virtual International Collaboration Projects) der Partneruniversität HKU Utrecht zum durchgeführten Online-Kurs bestätigte insbesondere den Mehrwert von Kleingruppenarbeit, interaktiven Formaten und dem Austausch über künstlerische und kulturelle Perspektiven. Die Erkenntnisse fließen kontinuierlich in die Weiterentwicklung des Formats ein.
Ausblick Seit der erstmaligen Implementierung des House of Europe-BIPs und zehn erfolgreich umgesetzten Projektdurchführungen ist das VMI derzeit in die Vorbereitungen der nächsten Projektumsetzungen in Viljandi (2026) und Madrid (2027) eingebunden. Mit der Durchführung dieser weiteren Projekte wird das Format seit 2021 insgesamt zwölf House of Europe-Umsetzungen umfassen. Aufgrund der positiven Erfahrungen und der nachhaltigen Etablierung des Formats ist geplant, das Projekt auch in der nächsten Erasmus+ Programmgeneration fortzusetzen und weiter auszubauen. Nachhaltigkeit Der Online-Kurs ermöglicht auch Studierenden ohne physische Mobilität interkulturelle Lernerfahrungen und unterstützt eine emissionsärmere Internationalisierung. Für Präsenzphasen werden umweltfreundliche Reiseoptionen gefördert; bei Projektumsetzungen in Pescara und Utrecht ist Green Travel Voraussetzung für die Teilnahme. Rund 45 % der bisher vom VMI entsandten Mobilitäten wurden als Green Travel umgesetzt.
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