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Fachhochschule JOANNEUM Bad Gleichenberg
Internationale Studierende bringen ihre Kulturen ins Klassenzimmer. Kinder erleben Vielfalt, üben Englisch und begegnen der Welt – direkt vor Ort. Ein Projekt voller Neugier, Nähe und Nachhaltigkeit.
© Manuela Tooma
Das Projekt bringt internationale Perspektiven direkt in die Klassenzimmer regionaler Volks- und Mittelschulen. Ziel ist es, interkulturelle Begegnungen zu ermöglichen, stereotype Denkweisen abzubauen und Sprachbarrieren spielerisch zu überwinden. Schüler:innen reflektieren ihre eigene kulturelle Identität, erleben Diversität als Alltag und wenden Englisch in realen Kommunikationssituationen an. Internationale Studierende übernehmen eine aktive Rolle als Kulturvermittler:innen, präsentieren ihre Herkunftsländer und stärken dabei ihre didaktischen, interkulturellen und sprachlichen Kompetenzen. Das Projekt trägt zur Umsetzung mehrerer strategischer Ziele der FH JOANNEUM bei: -) Förderung der Third Mission durch Kooperation mit regionalen Bildungseinrichtungen -) Umsetzung des Ansatzes „Internationalization at Home“ im ländlichen Raum -) Stärkung interkultureller und sprachlicher Handlungskompetenz -) Sichtbarmachung des Campus Bad Gleichenberg als Ort gelebter Vielfalt Nach erfolgreicher Pilotphase 2024 wurde das Projekt 2025 auf die Mittelschule ausgeweitet und didaktisch geschärft. Eine jährliche Fortführung ist geplant.
Der Ausgangspunkt war die Überlegung, wie die kulturelle Vielfalt der internationalen Studierenden am Campus auch über die Hochschule hinaus sichtbar und wirksam werden kann. In Kooperation mit der Volksschule und später der Mittelschule Bad Gleichenberg entstand ein interaktives Format, das persönliche Begegnung in den Mittelpunkt stellt. Innerhalb eines zweistündigen Rahmens reflektierten Schüler:innen zunächst eigene kulturelle Merkmale (Sprache, Religion, Traditionen), bevor internationale Incoming-Studierende ihre Herkunftsländer vorstellten – teilweise in Tracht und mitgebrachten Objekten wie Getränken oder Musik. Die Präsentationen fanden in englischer Sprache statt, Schüler:innen konnten aktiv Fragen stellen und Unterschiede wie Gemeinsamkeiten entdecken. Das Projekt wurde von einer Lehrenden initiiert, konzipiert und umgesetzt. Die Hochschule unterstützte das Projekt durch curriculare Offenheit, organisatorische Freiräume und institutionelle Sichtbarkeit. Entscheidend für die Umsetzung war die hohe Kooperationsbereitschaft der Schulen sowie das Engagement der Studierenden. Das Projekt schafft emotionale Lernräume, stärkt interkulturelle Kompetenzen – und bringt ein Stück Welt in die Südoststeiermark.
Das Projekt wurde im Rahmen eines zweistündigen interaktiven Workshops an der Volksschule (2024) und der Mittelschule Bad Gleichenberg (2025) durchgeführt. Zu Beginn stand eine gemeinsame Reflexion über die „eigene Kultur“ der Schüler:innen im Fokus: Welche Sprache sprechen wir – und ist das wirklich (nur) Deutsch? Welche Religionen gibt es in Österreich? Was essen wir, und welche Traditionen werden gepflegt? Erst danach präsentierten internationale Studierende ihre Herkunftsländer – darunter Georgien, Kasachstan, Mosambik, Ägypten, die Slowakei und Deutschland – in altersgerechter, englischer Sprache. Einige trugen traditionelle Kleidung oder brachten landestypische Getränke mit. Die Inhalte reichten von Sprache und Religion bis hin zu Feiertagen, Musik oder Hobbys im Heimatland. Die Schüler:innen wurden aktiv eingebunden: Sie stellten Fragen, erzählten von eigenen Erfahrungen und verglichen Gemeinsamkeiten und Unterschiede – oft auch nonverbal, mit Händen, Füßen und viel Humor. Englisch wurde dabei nicht als Lernziel, sondern als Brücke genutzt. Unterstützt wurde der Austausch durch mitgebrachte Objekte und kreative Methoden. Die Aktivitäten fördern interkulturelle Sensibilität auf Augenhöhe, stärken spielerisch die Sprachkompetenz und schaffen einen Erfahrungsraum, der über klassischen Unterricht hinausgeht. Der persönliche Kontakt macht globale Themen greifbar und baut Barrieren ab – sowohl sprachlich als auch kulturell.
Das Projekt erzielte vielfältige Ergebnisse, die zur Zielerreichung wesentlich beitrugen: Kinder und Jugendliche entwickelten durch die persönliche Begegnung mit internationalen Studierenden ein stärkeres Bewusstsein für kulturelle Vielfalt, nutzten mutig die englische Sprache und reflektierten eigene Selbstverständlichkeiten. Die informelle, spielerische Auseinandersetzung mit Sprache und Kultur baute Hemmschwellen ab und weckte Neugier, eine zentrale Voraussetzungen für interkulturelles Lernen. Auch die internationalen Studierenden profitierten: Sie setzten sich mit ihrer Herkunftskultur auseinander, sammelten didaktische Erfahrung und stärkten ihre Kommunikationskompetenz im interkulturellen Kontext. Die Begegnungen förderten Selbstreflexion und Selbstwirksamkeit. Langfristig trägt das Projekt dazu bei, Internationalisierung im ländlichen Raum erlebbar zu machen und soziale Kompetenzen wie Offenheit, Empathie und Dialogfähigkeit zu stärken. Die positiven Rückmeldungen von Schüler:innen, Lehrpersonen und Studierenden bestätigen die Wirksamkeit des Formats. Eine Fortführung und Weiterentwicklung, etwa durch weitere Schulstufen oder thematische Vertiefung, ist geplant und erwünscht.
Im Zuge der Projektumsetzung konnten wertvolle Erfahrungen hinsichtlich der Wirkung interkultureller Bildungsformate im ländlichen Raum gesammelt werden. Besonders wirksam erwiesen sich persönliche Begegnungen, wenn sie dialogorientiert, kontextsensibel und altersgerecht gestaltet sind. Der niederschwellige Zugang förderte emotionale Beteiligung und nachhaltiges Lernen. Eine zentrale Herausforderung war die Terminfindung: Die Abstimmung zwischen Schulstundenplänen und der Verfügbarkeit internationaler Studierender erforderte frühzeitige Planung, Flexibilität und enge Kommunikation mit allen Beteiligten. Die Integration des Formats in den Schuljahreskalender hat sich als zielführend erwiesen. Didaktisch bewährte sich der zweistufige Aufbau: Die Auseinandersetzung mit der eigenen kulturellen Identität schuf einen reflektierten Zugang zur Begegnung mit anderen Kulturen. Die englische Sprache stellte keine Barriere dar – im Gegenteil: Sie förderte informelles Lernen und wurde durch nonverbale Kommunikation, visuelle Elemente und Humor unterstützt. Insgesamt zeigt sich: Interkulturelles Lernen entfaltet dann besondere Wirkung, wenn es als unmittelbare Erfahrung gestaltet wird. Das Projekt ist einfach umsetzbar, anschlussfähig und motiviert zur Nachahmung – sowohl auf Seiten der Schulen als auch der Hochschule.
Das Projekt basiert auf evidenzbasierten Prinzipien interkulturellen Lernens und nutzt einen reflektierten, dialogischen Ansatz, der sowohl die kulturelle Selbstwahrnehmung der Schüler:innen als auch die metakognitive Kompetenz der internationalen Studierenden stärkt. Es adressiert zentrale Herausforderungen der „Internationalization at Home“-Strategie in ländlichen Kontexten und leistet einen Beitrag zur Dekommodifizierung von Sprache als ausschliesslichem Lernziel, zugunsten eines kommunikativen Kompetenzaufbaus. Die Zusammenarbeit zwischen Hochschule und Schulen ist dabei ein praxisnahes Beispiel für gelungene Third Mission. Zudem generiert das Projekt praxisrelevante Daten zur Wirksamkeit niedrigschwelliger Bildungsformate, die Grundlage für weitere wissenschaftliche Untersuchungen und didaktische Innovationen bilden. Die Kombination aus curricularer Integration und emotionaler Erfahrbarkeit fördert nachhaltige Wirkung und Multiplikationseffekte.

© Manuela Tooma

© Manuela Tooma
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